Zwanzig beliebige Quadratmeter der Schwabinger Straße, in der ich wohne. Ich hab nicht wirklich gründlich gesucht, eher so oberflächlich. Und 18 weggeworfene Zigarettenkippen gefunden.

Bei der Frage, wie wir nachhaltiger leben können, wie wir unseren Müllberg verkleinern, wie wir auch durch unseren Alltagskonsum unseren CO2-Abdruck reduzieren, geht es oft um Verzicht. Darum, dass unser Leben irgendwie teurer, komplizierter oder unbequemer wird. Hier haben wir nun mal einen Bereich, wo es um nichts dergleichen geht. Nur um weniger Gedankenlosigkeit.

Kippen – Ein gewaltiges Müllproblem

Weggeschnippte Zigarettenkippen sind weltweit das häufigste Abfallprodukt – und ein erhebliches Sondermüllproblem. 2020 wurden in Deutschland pro Tag 202 Millionen Zigaretten geraucht. Und ganz sicher schaffen viele Raucher ihre Hinterlassenschaften ordnungsgemäß in den Müll. Viele aber auch offenkundig nicht…

         

 

 

 

Mal ganz abgesehen davon, dass es echt wüst aussieht: In Zigarettenstummeln finden sich unter anderem Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Und, allem voran, natürlich Nikotin. Aus den Filtern ausgewaschen landet es in unseren Gewässern, vergiftet dort Fische und gelangt über die Fische womöglich in unsere Nahrungskette.

Der US-Forscher Thomas Novotny hat 2011 untersucht, was der Zigarettenmüll für Fische bedeutet. Eine einzige Kippe in einem Liter Wasser genügte, um jeden zweiten Fisch, der in diese Mischung gesetzt wurde, zu töten. Dabei mussten nicht mal Tabakreste drin sein. Schon ein benutzer Filter im Wasser reichte aus.

Zigarettenkippen sind giftiger Plastikmüll

Ein Zigarettenfilter sieht nur aus wie Watte. Tatsächlich besteht er aus dem Kunststoff Celluloseacetat. In Salzwasser benötigt dieser Stoff ein paar hundert Jahre, bis er sich zersetzt. In Süßwasser dauert der Prozess immer noch Jahrzehnte. Selbst unter Idealbedingungen braucht ein Zigarettenfilter mehrere Jahre, um zu verrotten.

Zigarettenkippen einfach fallen lassen kostet Strafe – je nach Kommune einige hundert Euro. Das scheint – siehe meine Ausbeute – nicht wirklich abschreckend zu wirken. Es gibt mittlerweile eine EU-Richtlinie, die Tabakkonzerne für die Reduzierung des Kippenmülls in die Verantwortung nehmen soll. Deutschland müsste die bis 2021 umsetzen, geschehen ist da jedoch noch nichts wirklich zielführendes.

Wege aus der Müllmisere

Dabei gibt es spannende Konzepte:Der gemeinnützige Kölner Verein TobaCycle e.V., zum Beispiel, sammelt Kippen in Grünanlagen, auf Straßen und öffentlichen Plätzen. Ein kleiner Teil der aufbereiteten und getrockneten Kippen wird zu einem Taschenaschenbecher verarbeitet, der wiederum an Raucher verteilt wird – damit künftige Zigarettenstummel gar nicht erst auf dem Boden und damit in der Umwelt landen. In den ersten drei Jahren hat der Verein immerhin schon 22.000 Kilogramm Zigarettenkippen über dieses System gesammelt. Der Verein freut sich über Mitglieder und Spender.

Die Bürgerinitiative „Die Aufheber“ geht noch weiter und streitet für ein Pfandsystem, wo 20 Cent Pfand pro Filter fällig werden. Raucher bekämen beim Zigarettenkauf einen Taschenaschenbecher und könnten ihre gesammelten Kippen dann im Kiosk oder am Automaten wieder abliefern.

Ich würde mich freuen, wenn in der Zwischenzeit möglichst viele Raucher zur einfachsten Lösung greifen: Kippen einfach in den Mülleimer. Immer. Freiwillig. Bitte!